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Ausarbeitung der Lärmkarten in NRW

Wer berechnet die Lärmkarten?

Die Städte und Gemeinden sind in Nordrhein-Westfalen für die Lärmkartierung zuständig, mit Ausnahme der Schienenwege von Eisenbahnen des Bundes. Diese berechnet und kartiert das Eisenbahn-Bundesamt.

Nordrhein-Westfalen verfügt über komplexe Verkehrs- und Siedlungsstrukturen. Der Aufwand für die Datenerhebung und der anschließenden Datenaufbereitung sowie für die Berechnung ist daher sehr groß. Die Landesregierung hat in 2006 beschlossen, die Kommunen bei der Lärmkartierung zu unterstützen.

Das Land NRW bietet den Kommunen bei der Wahrnehmung der Aufgaben folgende Hilfestellung durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) an:

  1. Bereitstellung von landesweit verfügbaren Geodaten und Verkehrsinfrastrukturdaten über die bestehende Geodateninfrastruktur (per Internet) als Dienstleistung für alle Kommunen unter Nutzung des Geobasisdatenportals
  2. Lärmkartierung (Hauptverkehrsstraßen, Hauptschienenwege in der Aufsicht des Landes und Großflughäfen) für Bereiche außerhalb der Ballungsräume. Diese erstellen die Lärmkarten für ihr Gebiet eigenständig.
  3. Erhebung und Bereitstellung der Emissionsdaten für die gewerblichen und industriellen Anlagen in den Ballungsräumen
  4. Sammlung und Übermittlung der Lärmkarten an das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Durch dieses Vorgehen werden insbesondere die kleinen Kommunen an den Hauptverkehrsstraßen und im Umfeld der Flughäfen entlastet, sodass sie sich im Weiteren auf die Lärmaktionsplanung konzentrieren können.

Wie werden die Lärmkarten berechnet?

Für die verschiedenen Lärmquellen (Straßen, Schienen, Flughäfen und Industrie und Gewerbe) gibt es jeweils spezielle Berechnungsvorgaben, nach denen die Ermittlung der Schallpegel erfolgt.

In Deutschland sind einheitliche Berechnungsverfahren für den Umgebungslärm vorgeschrieben. Sie heißen „Vorläufige Berechnungsverfahren…“, da sie in Zukunft durch europaweit einheitliche Berechnungsvorschriften ersetzt werden. Diese Berechnungsverfahren berücksichtigen neben den Parametern der jeweiligen Quellen (z.B. Verkehrsstärke und – zusammensetzung, Geschwindigkeit, Straßenoberfläche) auch die Ausbreitungsbedingungen (z.B. Abstand von der Straße, schallmindernde Hindernisse, Einfluss des Geländes).

Die Anzahl der lärmbetroffener Menschen in Wohnungen, die innerhalb der jeweiligen Isophonen-Bänder liegen, wird nach der „Vorläufigen Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umgebungslärm“ (VBEB) ermittelt. Hierbei werden Immissionspunkte (sog. Fassadenpunkte) in 4m Höhe an der Fassade der Gebäude in ca. 5m Abständen ermittelt und die Einwohnerzahl des Gebäudes auf diese Fassadenpunkte gleich verteilt. Für jeden Fassadenpunkt wird ein Lärmpegel errechnet, welcher die Einteilung der Einwohner in die Betroffenenstatistik bestimmt.

Weitere Hinweise zur Vorgehensweise bei der Lärmkartierung und zur Erläuterung der Rechtsvorschriften bieten die LAI-Hinweise zur Lärmkartierung, die von der Bund/Länder Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz veröffentlicht wurden.

Der Lärm wird berechnet und nicht gemessen - Warum?

Die flächenhafte Kennzeichnung der Lärmbelastung erfordert die Ermittlung von Lärmpegeln an vielen Punkten in der Fläche (in der Regel 10 m Abstände). Da die zu erfassenden Geräusche bedingt durch die wechselnden Verkehrsdichten und Wettereinflüsse kurz- und langfristig schwanken, würden an jedem Punkt umfangreiche Messungen erforderlich. Dies ist praktisch nicht realisierbar.

Zudem gibt es für die einzelnen Schallquellenarten zuverlässige Berechnungsmethoden, deren Ergebnisse in der Regel etwas höher liegen als durch Messungen ermittelte Werte. Es wird also zu Gunsten der Lärmbetroffenen gerechnet. Außerdem kann man über Berechnungen auch Lärmbelastungen bestimmen, wenn zum Beispiel bei Planungen noch keine Messungen möglich sind. Berechnungsverfahren erlauben daher auch die Prüfung verschiedener Alternativen bei der Lärmaktionsplanung.

Der Einsatz vergleichbarer Berechnungsverfahren sichert darüber hinaus die von der EU angestrebten europaweit vergleichbaren Lärmkarten.

Zwischen den „Vorläufigen Berechnungsverfahren...“ und den Berechnungsverfahren, die im übrigen Lärmschutzrecht verwendet werden (RLS-90, Schall-03, TA-Lärm, Fluglärmgesetz), bestehen Unterschiede in den Kenngrößen und einigen Details der Berechnungsverfahren. Die Ergebnisse und deren Darstellung in Lärmkarten stimmen zwar in der Größenordnung überein, sind aber nicht identisch.